OpenDocument und biblische Exegese
Dienstag, Juni 27th, 2006Im Jahr 2002 hat sich in Schleswig-Holstein die 1dok-Initiative mit dem Ziel gegründet, eine Art „Din A4“ für Office-Dokumente zu entwickeln, einen „offener Standard für den freien und ungehinderten Austausch elektronischer Dokumente über das Internet“.
Inzwischen wurde dieses Ziel auf anderen Wegen erreicht. Die internationale Organisation OASIS hat mit OpenDocument ein solches Format entwickelt und erfolgreich bei der ISO als Standard angemeldet, eben der Organisation, die auch das deutsche DIN A4-Format unter dem Titel „ISO A4“ internationalisiert hat. OpenDocument ist als „ISO/IEC DIS 26300“ tatsächlich zu einer Art „Din A4“ für Office-Dokumente geworden.
Überhaupt nicht zufrieden mit dieser Entwicklung ist das Unternehmen Microsoft, das bislang den Markt für Office-Anwendungen mit seinen eigenen Dateiformaten dominiert. Als Reaktion auf OpenDocument hat Microsoft für die nächste Generation von MS Office ein eigenes Dateiformat entwickelt, das nicht nur auf den gleichen Grundprinzipien wie OpenDocument aufbaut (eine Sammlung von XML-Dateien in einem Zip-Archiv), sondern auch dessen Namen imitiert: „Office Open XML“ (OpenDocument sollte ursprünglich „OpenOffice XML“ heißen). Außerdem hat Microsoft sein Dateiformat einer anderen Standardisierungsorganisation vorgelegt, der ECMA – nicht zuletzt deshalb, weil die Europäische Union in Zukunft nur standardisierte Dateiformate verwenden will. Die nächsten Jahre werden entscheiden, welches dieser beiden „offenen“ Dateiformate zum zukünftigen de facto Standard für Office-Dokumente werden wird.
Was nur wenige wissen: Neben Software-Unternehmen wie Adobe, IBM, Novell und Sun und freien Software-Projekten wie KOffice war auch die Society of Biblical Literature (SBL) in Person von Patrick Durusau in dem Komitee vertreten, das den OpenDocument-Standard entwickelt hat. Grund genug also nachzufragen, was die SBL dazu bewegt hat, an der Entwicklung von OpenDocument teilzunehmen, und welche Vorteile OpenDocument für ExegetInnen bietet.