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Markus Locker

Von Gleichnissen und Systemen

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Inhalt:


I. Einführung

Die Gleichnisse Jesu in den synoptischen Evangelien werden in ihrer Behandlungsweise durch die moderne Exegese vor allem auf ihre sprachliche Form bzw. Gattung hin untersucht. Dabei werden diese relativ kurzen Redestücke als Sprach- bzw. Kommunikationssysteme behandelt, die man entweder als Gleichnis oder Parabel klassifiziert und dementsprechend in allegorischer oder metaphorischer Weise auslegt.[1] Der hierbei implizit zur Anwendung kommende sprachtheoretische Ansatz führt zu einer Auslegung der Gleichnisse, die es sich zum Ziel gesetzt hat, deren Sinn auf der formalen Grundlage eines in sich geschlossenen Kommunikationssystems zu ermitteln. Während dieses Vorgehen für die Mehrzahl der Gleichnisse zu befriedigenden Ergebnissen führt, hat es den Anschein, dass sich einige Gleichnisse nicht vollständig in diese Auslegungsart auflösen lassen.

Speziell die so genannten tragischen Gleichnisse[2] geben interpretative Probleme zu erkennen, die von der gegenwärtigen Exegese nur schwer zu bewältigen sind. Beispiele hierfür sind u.a. das Gleichnis vom »Hochzeitsmahl« (Mt 22,1-14), der »Klugen und Törichten Jungfrauen« (Mt 25,1-13) und das Gleichnis von den »Talenten« (Mt 25,14-23)[3], deren spezifische Handlungsabläufe scheinbar in der einen oder anderen Weise nicht in das allgemeine Weltbild der Theologie der Worte Jesu einzuordnen sind.

Natürlich ist es plausibel anzunehmen, dass sich das Hochzeitsgewand in Mt 22,12 auf jene guten Taten bezieht,[4] nach denen die Mitglieder der Matthäusgemeinde - und somit alle Christen - immer während streben sollten. Doch bleibt zu bedenken, dass das Gleichnis bzw. der vom König beauftragte Diener selbst gute und gleichzeitig böse Menschen von der Landstraße her zum Hochzeitsmahl einlädt (V. 10).[5] Daher anzunehmen, dass es sich gerade bei jenem Eingeladenen, der vom König ohne Hochzeitsgewand angetroffen wird, um eben eine Person handelt, der es an guten Taten fehlt, ist eine Vermutung, die dem Text unmittelbar nicht zu entnehmen ist. Dem Leser des Gleichnisses wird es dagegen nicht schwer fallen, diesem Menschen, dem im weiteren der Geschichte übel mitgespielt wird, auf Grund seines Schicksals Mitleid entgegen zu bringen.

John Paul Heil erklärt zu den törichten Jungfrauen:

… when the foolish maidens, at the time that their lamps are going out, ask their wise fellow maidens to give them some of their oil (v 8), the wise maidens wisely recognize that there is not enough oil for all and direct their foolish fellow maidens to go rather to those who sell oils and buy some for themselves (v 9).[6]

Dazu belehrt auch Ulrich Luz:

Man darf nun nicht fragen, ob denn deren Öl wirklich nicht zum Teilen gereicht hätte (das Teilen des Öls wäre doch ein schöner Zug dieser Geschichte gewesen!). Man darf auch nicht fragen, ob denn im Haus der Braut wirklich kein Olivenöl aufzutreiben gewesen wäre. Man sollte auch nicht die Weigerung der klugen Frauen allegorisch z.B. auf die Unmöglichkeit stellvertretender Werke beziehen. Vielmehr wählt der Erzähler aus mehreren Möglichkeiten, wie die Geschichte nun weitergehen kann, diese, weil er auf ein »tragisches« Ende seiner Parabel hinaus will. Die klugen Frauen sagen also nicht nein, weil der Fackeltanz solange dauert und sie deshalb alles Öl brauchen, und auch nicht, weil sie böswillig, schadenfroh oder geizig sind, sondern weil es die Geschichte so will.[7]

Die vielfältigen Erklärungen und Anweisungen der Exegeten, die es sich zum Ziel gesetzt haben, jede sinnbildliche Auslegung dieser Gleichnisse zu unterbinden, verhindern nicht, dass es den Anschein hat, die Weisheit der klugen Jungfrauen liege darin, dass ein Erfüllen der Bitte der törichten Jungfrauen es ihnen selbst nicht mehr erlauben würde zum ersehnten Ziel zu gelangen. Das wiederum ist eine Klugheit, die wohl kein Exeget mit den Worten Jesu versöhnen kann, die dieser an einer früheren Stelle im Evangelium spricht: »Denn wer bittet, der empfängt; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet?« (Mt 7,8f.).

Auch das berühmte Gleichnis von den Talenten (Mt 25,14-30) ist nicht ohne theologische Schwierigkeiten. Unter Bezugnahme einer in die frühe Kirche zurück reichenden Identifizierung des »Mannes, der auf Reisen ging,« mit Christus[8[ erklärt Robert H. Gundry:

The portrait of the master as taking what does not belong to him should bother us no more than the comparison of Jesus' coming to that of "a thief in the night" bothers us. The point of comparison does not have to do with thievery, but with unexpectedness. So also here, the portrait has to do with the forcefulness of Jesus' demand for good works, not with the ethics of taking what belongs to others …[9]

Und doch steht der Diener, der um sein weniges (vgl. Vv. 21.23), das ihm anvertraut wurde bangt, in einem unübersehbaren Gegensatz zur Einladung Jesu:

Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht (Mt 11,29f.).

Und so bleibt bei aller Gelehrsamkeit der Eindruck bestehen, dass der König im Gleichnis vom Hochzeitsmahl von Vorurteilen bestimmt urteilt: die klugen Jungfrauen allzu eigennützig handeln, und der Mann, der auf Reisen ging, seine Talente nicht nur voreingenommen verteilt (Mt 25,15), sondern den ängstlichen Diener auch über Gebühren hin bestraft.[10]

Diese Arbeit glaubt zu erkennen, dass die vorangehend beschriebenen Schwierigkeiten in der Auslegung der Gleichnisse behoben werden können, wenn bzw. indem man neben dem sprachlichen Charakter derselben die Tatsache berücksichtigt, dass es sich hierbei eben um Kommunikationssysteme handelt, die vor allem nach deren systemtheoretischen Grundsätzen hin verstanden und erklärt werden müssen.[11]

Dabei ist es besonders wichtig, eingangs hervorzuheben, dass von einem systemtheoretischen Standpunkt Sprache erst dann ihren gesamten Sinngehalt offenbart, wenn alle dem Sprachsystem inne wohnenden pragmatischen Dimensionen, i.e., dessen verschiedenen Diskursebenen hervorgehoben, und beschrieben werden.[12] Neben der Ebene der beschreibenden Sprechhandlungen muss für den Geltungsbereich eines Sprachsystems dessen Grenze in Betracht gezogen werden, denn an dieser werden die Interaktionsmöglichkeiten des Sprachsystems mit dessen Umwelt gesetzt.

Die dritte Diskursebene ist jene, in der das eigentliche Ziel eines Sprachsystems aufgezeigt wird. Auf dieser Ebene wird gezeigt, wies sich ein System vergleichend, korrigierend und erfindend zwischen bestehenden Regelsystemen bewegt. Dabei wird die gesamte pragmatische Relevanz des Sprachsystems in Bezug auf seine Umwelt dargestellt und kann im Sinne einer strukturellen Transformation dieser, aber auch des Systems selbst, verwirklicht werden.[13]

II. Gleichnisse als Systeme

Im Folgenden soll in vereinfachter Weise dargelegt werden, inwiefern es in formaler Hinsicht legitim ist, die Gleichnisse Jesu als Systeme zu betrachten.[14]

Die Natur eines Systems

Systeme - und hier darf ganz allgemein gesprochen werden - sind Anordnungen, die sich von einer, dieselben umgebenden, Umwelt absetzen, indem sie sich von dieser unterscheiden und sich auf sich selber beziehen und so jeweils eine in sich geschlossene Einheit bilden. So mag ein System zunächst als intentionale Reduktion von Komplexität (seiner Außenwelt) betrachtet werden. Gleichzeitig ist ein System aber immer auch ein Abbild seiner Umwelt, von der es das in sich aufnimmt und wiedergibt, was für seinen Bestand wichtig ist, um so mit seiner Außenwelt agieren und diese dahingehen verändern zu können, dass sie diesem optimal entspricht. Dadurch besteht die Möglichkeit, dass zwischen dieser und dem System sozusagen ein Gleichgewicht eintritt. Spontane Veränderungen, sowohl im System selbst wie in dessen Umwelt, führen indessen immer wieder zu Störungen und der Notwendigkeit einer immer neuen Wiederherstellung des Gleichgewichts. Darüber hinaus hat ein System einen Ursprung sowie einen Urheber, der dieses System setzt bzw. es von seiner Umwelt abgrenzt.[15]

Werfen wir nun einen Blick auf die Gleichnisse Jesu, die nach seiner eigenen Aussage - so besonders im Markusevangelium - ein Teil, wenn nicht sogar das Zentrum seiner Lehre (Mk 4,2) sind. Sie enthalten das Geheimnis der Königsherrschaft bzw. des Gottesreiches (Mk 4,11 par.) und sind gleichzeitig der Schlüssel dazu. Erstaunlicherweise stellen sie einen gewöhnlichen und oft alltäglichen Handlungsablauf dar, von dem nichtsdestoweniger anzunehmen ist, dass er das Reich Gottes verdeutlicht.

Man kann nun fragen, inwieweit die Gleichnisse Jesu tatsächlich mit Systemen vergleichbar sind und finden dazu eine positive Antwort: sie sind durch das gesprochene Wort Jesu in diese Welt (oder die gefallene Wirklichkeit, die diese Welt ist: »Umwelt 2«) gesetzte Einheiten, die als repräsentierende Erzählungen die Absicht haben, ihre eigentliche Umwelt, welche wiederum das Reich Gottes ist (die erlöste Welt oder »Umwelt 1«), erscheinen zu lassen (vgl. die Einleitungsformel »mit dem Reich Gottes ist es wie«).[16] Schon aus diesem Grund darf man die Gleichnisse nicht selber als das eigentliche Reich Gottes betrachten oder missverstehen; sie sind - wie im Folgenden gezeigt wird - vielmehr die handlungskommunikativen Möglichkeiten zu diesem.

Das Reich Gottes seinerseits kann allerdings ebenso als ein System aufgefasst werden, da in der Systemtheorie angenommen werden muss, dass die System-Umwelt selbst auch Systemcharakter besitzt.[17] Hierbei ist aber gleichfalls entscheidend, dass auch dieses System nicht Gott selbst gleichzusetzen ist, sondern nur darlegt, in welcher Weise, d.h. in welchen Anordnungen, Gott in dieser Welt in Erscheinung tritt bzw. Möglichkeiten schafft, diese Welt zu verändern.[18]

Im Neuen Testament wird das besonders an zwei Stellen verdeutlicht. Zum einen lässt der Evangelist Lukas Jesus erkennen, dass Satan aus dem Himmel gestützt ist (Lk 10,18) und deshalb die Macht der Dämonen hier auf Erden gebrochen wurde (Lk 10,19f.).[19] Zum anderen sieht der Seher Johannes in seiner Offenbarung, dass Michael Satan, den Ankläger, aus dem Himmel vertrieben hat und es deshalb dort keine Anklage gegen den Menschen gibt (Off 12,9ff.).[20]

Gleichnisse repräsentieren das Reich Gottes durch eine Reduktion (d.h. eine Scheidung von) ihrer (nicht-göttlichen) Umwelt, obwohl diese auf alltägliche Ereignisse an derselben Bezug nehmen. Das geschieht wiederum durch die Darstellung und Beschreibung selektiv ausgewählter, paradigmatischer Handlungsabläufe. Dabei ist es nicht so sehr (gewissermaßen essentialistisch) das Gleichnis per se, sondern es sind ausschließlich (sozusagen aktionell oder funktionell) dessen Handlungs- bzw. Kommunikationsabläufe, die das Reich Gottes repräsentieren.

Am Beispiel des Gleichnisses der Arbeiter im Weinberg (Mt 20,1-16) würde das bedeuten, dass man zwischen dem Gleichnis als solchem und dessen Kommunikationen unterscheiden muss.[21] Es kann nicht der Natur des Reiches Gottes entsprechen, Arbeitern, die den ganzen Tag arbeiten, zu wenig zu zahlen oder gar, im Gegensatz dazu, kommunistische Zustände zu errichten. Und doch ist es augenfällig, dass das Verteilen bzw. die Arbeitsvorsorge für alle wartenden Arbeiter wie ein ausreichender Lohn auch für jene, die nur am Ende des Tages gebraucht wurden, auf eine (neue) Umwelt verweisen, die gottgewollt ist.[22]

Klassische Systeme

An dieser Stelle ist es besonders wichtig die Unterscheidung von klassischen und transklassischen Systemen zu berücksichtigen. Klassische Systeme sind Systeme, die scheinbar objektiv und in der Annahme gestaltet werden, dass diese, (a) ihre Umwelt vollständig zu repräsentieren vermögen und zudem (b) in der Lage sind, diese Repräsentation logisch konsistent auszuführen, d.h. sich auch über Unzusammenpassendes (oder gar Paradoxales) in der (schon aus dem System zu ersehenden) Wirklichkeit hinwegsetzen.[23]

Die Gleichnisse Jesu als solche zu verstehen und zu verwirklichen, würde im Anschluss an dieses Verständnis bedeuten können, dass die durch sie beschriebenen Handlungsabläufe als objektive Normen einer objektivierbaren Welt zu gelten hätten. Nur in einer solchen (missverständlichen) Betrachtungsweise war es möglich, dass ein Thomas Münzer versuchte, einen wahrhaftigen Gottesstaat hier und jetzt zu errichten.

Der in dieser Auffassung der Systemtheorie enthaltene Irrtum besteht jedoch in der Annahme, dass man ein solches System ganz unabhängig vom Beobachter beschreiben und errichten wollte.[24] Nicht nur hat jeder Systembeobachter einen blinden Fleck (die Stelle, die er während einer Beobachtung selbst einnimmt und die daher seiner Beobachtung entgeht), sondern ähnlich der Heideggerschen Geschichtskritik muss man auch in der Systemtheorie erkennen, dass der Beobachter immer schon ein Teil der Beobachtung ist. Das bedeutet, dass eine Beschreibung bzw. eine Reduktion der Komplexität der Wirklichkeit auf ein in diese gestelltes System hin nicht nur dessen Beobachter und Designer einschließt, sondern bereits ganz auf dieses System hin bezogen (und eingeengt) erscheint, weshalb (im Licht des Systems) die vorgegebene Wirklichkeit bereits als relativiert und verändert erscheinen muss.[25]

Für die Gleichnisse Jesu ist aus dieser Beschränkung die Folgerung zu ziehen, dass man diese nicht als objektive Welten verstehen darf, sondern als dem Menschen zur Befolgung nahe gelegte und ihm mögliche Handlungsabläufe, die daraufhin zielen, dass der Mensch sich selbst in Sicht auf das von Jesus beschriebene System, i.e. eben das Gleichnis hinauf, verwandelt.[26] Das impliziert in theologischer Formulierung, dass die Gleichnisse Jesu den Glauben an Ihn selbst einschließen und voraussetzen. Die von Jesus angesprochene Umkehr bzw. Sinnesänderung (Mk 1,15 par. Mt) und der Glaube an sein Evangelium sind somit die grundlegenden Vorbedingungen dafür, selbst ein Designer eines Systems werden zu können, das selbst schon zum Zeugnis einer Wahrheit geworden ist, die sich in der System-Umwelt, d.h. in der nicht gläubigen Wirklichkeit, nicht vorfindet.[27]

Trans-klassische Systeme

Trans-klassische Systeme zeichnen sich in erster Linie durch das Akzeptieren von Paradoxen aus, die nicht, wie bei klassischen Systemen, ausgeschlossen, sondern positiv, im Sinne einer Stärkung der internen System-Spannung, »benützt« werden. Dabei handelt es sich also nicht nur um jene Problematik der Beobachtung, in welcher der Beobachter bzw. der Designer des Systems erkennt, dass er Teil seiner Beobachtung bzw. sogar dessen Vorbedingung ist, wie bei einem klassischen System, sondern mehr. Das Paradox trans-klassischer Systeme besteht darin, dass die Möglichkeit zu einer Veränderung der objektiven Wirklichkeit, die das System beschreibt, seiner eigenen Beschaffenheit zunächst entgegen steht. Um diese Aufgabe dennoch zu erreichen, muss das System, und hier vor allem dessen Aktivität, auf eine höhere Ebene der Betrachtung gelangen, auf der dieses aber gleichfalls im Sinne des ursprünglichen Systems verwirklichbar ist. Das entspricht zunächst dem, was schon an einem klassischen System in Form zweier Beobachtungsweisen vorliegt: dort gibt es (a) eine Orthoebene, auf der sich die Vorraussetzungseigenschaften des Systems (z.B. seine Einheit) und dessen objektive Gegenständlichkeit (z.B. seine Struktur) einander gegenüberstehen (was vom Beobachter registriert werden kann) - wobei aber noch der statische und analytische Aspekt des Systems selbst im Vordergrund steht - und (b) eine Metaebene, auf der die Voraussetzungs- und Gegenstandseigenschaften so innig miteinander vereint erscheinen, dass der Beobachter sieht, wie das jetzt gleichsam dynamisch und synthetisch gewordene (sozusagen verwandelte) System in die Lage kommt, sich nun nach außen hin zu wenden. Dabei stellt sich das System dessen Umwelt (Umwelt 1) gegenüber, verändert diese gestalthaft und setzt sich zugleich von ihr ab.

Dieser Ebenentrennung sowie Vereinigung im klassischen Sinn entspricht im transklassischen System eine Grundaktivität und eine gehobene Aktivität des Systems; erstere besteht z.B. in der schon genannten Einbeziehung des Paradoxes, letztere in seiner ständigen Verwandlung und Überschreitung nach außen hin, also in weiterer Komplexifizierung und »Verdichtung«, die das System ausführen muss, um sich zu erhalten und weiter zu entfalten

Systemtheoretisch - klassisch und trans-klassisch - ist demnach folgendes festzustellen. Sofern die Gleichnisse Jesu als Systeme aufzufassen sind, so beziehen sich diese erst dann auf deren Umwelt 2 - und die dazu gehörende Hörerschaft - wenn diese Umwelt dem Gleichnis antwortet und sich zu einer neuen Form verwandelt hat.[28] Dabei wird aus der Hörerschaft die Gefolgschaft Jesu, und somit die Funktion des Gleichnisses erfüllt. (Das dabei vonstatten gehende Geschehen ist vergleichbar dem Aufstieg von Ortho- zu Meta-Ebene oder dem Übergang von Paradoxbewältigung zu Transgression.) Die Erzählebene der Gleichnisse Jesus ist deren systemische Orthoebene (oder die Grundebene des Systems), die erst der Beobachter und Designer (wenn er das Gleichnis verstanden hat) auf ihre Metaebene (oder den Zustand der Verwandlung) heben muss. Dabei erschienen die Gleichnisse - vornehmlich aus der Sicht des noch reservierten und sich noch nicht entschlossen habenden Hörers (oder kritischen Beurteilers) - in ihren Handlungsabläufen paradox.

Der gute Hirte lässt seine Herde in fast leichtsinniger Weise alleine (Mt 18,12; Lk 15,4); der listige Diener streicht eigenmächtig die Schulden seines Herren (Lk 16,6f.), und der Herr des Weinberges trägt seinem Diener auf, allen Arbeitern, ungeachtet der Länge ihrer Arbeitszeit nur ein Talent zu bezahlen (Mt 20,8).

Doch diese scheinbaren Paradoxe lösen sich durch den vom System selbst geforderten Übertritt in den vollen Glauben an Jesu auf, indem die Gleichnisse ihre vordergründige Bedeutung - des Verwirrung Stiftens - verlieren. Vielmehr werden diese gar ein Ansporn dazu, sich voll und ganz in die Glaubenswelt Gottes (Umwelt 2) zu begeben und danach zu handeln.[29]

Ziele des Sprachsystems

Transklassische Systeme - und als solche muss man die Gleichnisse Jesu verstehen - sind von teleogenetischer Natur und daraufhin bestrebt, sich auf ihre (in diesem Systemen enthaltenen) Ziele hin zu entfalten.[30] Das allgemeine Ziel der Gleichnisse Jesu ist die Niederkunft des Reiches Gottes, was wiederum durch die partielle Verwirklichung derselben, auf der Basis der in ihnen beschriebenen Handlungen, ermöglicht werden kann. Es sind eben jene Handlungen, die den Grenzdiskurs dieser Systeme festlegen. Dieser stellt somit keine Behauptungen auf, sondern verkündigt eben deren Grenzen und Geltungsbereiche. Deshalb kann der Bereich einer Sprachhandlung auch nicht innerhalb des eigentlichen Kommunikationssystems verifiziert werden, sondern muss unabhängig von diesem einem anderen Bereich entnommen werden.[31] Der Grenzdiskurs teilt demnach ein Weltbild mit, das einen lebensweltlichen Sinn darstellt, der ein Verstehen des Sprachsystems - erst bzw. überhaupt - ermöglicht.

Zunächst versinnbildlicht der Grenzdiskurs eines Systems Möglichkeiten einer Kommunikation mit dem System selbst, dessen Aufgabe es ist, die Handlungsabläufe des Systems in einer solchen Weise zu verstehen bzw. interpretierend zu verändern, dass sie dessen Möglichkeiten entsprechen. Gleichzeitig wird aber auf diese Diskursebene gezeigt, was nicht zu diesem System gehören darf bzw. was das System durch dessen Prinzip der Selbstorganisation ausschließt.

Die Gleichnisse Jesus geben zu erkennen, dass es möglich ist, Sünder zu lieben und somit scheinbar verlorene Menschen zu retten. Es kann Gerechtigkeit bzw. gerechten Lohn geben, und man kann auf Schulden anderer Menschen verzichten.

Der Erschließungsdiskurs hingegen zeigt, wie Systeme enttautologisiert werden können. Die dabei angestrebte Benützung bzw. Auflösung der Paradoxe veranschaulicht die Möglichkeit der Neuorganisation eines Systems, um die von diesem System angezeigte Umwelt durch mehr Selektionen zu realisieren, als momentan in diesem System enthalten sind. Dahingehend kann gesagt werden, dass es sich bei der Verwirklichung des Reiches Gottes nicht um eine systemische Veränderung des Wesens der Welt handelt, sondern um Handlungen, die das Reich Gottes symbolisierend in möglichst viele Partialsysteme einbringen.

Zuletzt soll noch auf eine Unterscheidung innerhalb der Systeme der Gleichnisse hingewiesen werden. Wenn man noch einmal die einführend angesprochenen Schwierigkeiten bezüglich der Exegese einiger Gleichnisse betrachtet, sieht man, dass gerade diese Gleichnisse (vgl. Mt 22,1-14; 25,1-13; 25,14-23) besonders den Aspekt des Gegensatzes beinhalten, während andere Gleichnisse, so wie z.B. »Der Gute Hirte« (Mt 18,12-14//Lk 15,4-7) oder die »Arbeiter im Weinberg« (Mt 20,1-16) und der »Listige Diener« (Lk 16,1-8), besonders die Voraussetzung des Gelingens des Reiches Gottes darstellen.

Als Unterscheidungsmerkmal bietet sich vor allem deren besondere Art der Selektionen an. Gleichnissysteme, welche die Voraussetzungen des Gottesreiches vorstellen, können - wie bereits erwähnt wurde - als »komisch,« oder »falsch« bezeichnet werden, da sie eine Zuordnung ihrer Handlungsabläufe darstellen, die der normalen Erwartung des Beobachters widerspricht und deshalb für einen Außenbeobachter als nicht sinnvoll bzw. paradox erscheinen. Gleichnisse wiederum, deren Handlungsabläufe »tragisch« enden, sind als »wahr« einzustufen, da es tatsächlich so ist, dass die Wirklichkeit, von der diese Gleichnisse berichten, den gegensätzlichen bzw. objektiven Gegebenheiten dieser Welt entsprechen.

Zusammenfassend muss man betonen, dass eine system-theoretische Auslegung der Gleichnisse, unter Bezugnahme auf deren Entschließungsdiskurse, die Aufgabe hat, beide »Arten« der Gleichnisse aufeinander hin zu korrigieren, um sie durch diese Auflösung auf ihre Metaebene zu heben.

III. Eine systemgebundene Auslegung der Gleichnisse anhand von Beispielen

Die Gleichnisse Jesu sind trans-klassische Systeme, die den Beobachter einschließen und zu einer Mitgestaltung dieser Welt einladen. Dabei wird aber der Glaube des Beobachters/Designers bzw. dessen Verwandlung auf das Reich Gottes hin vorausgesetzt. Die Gleichnisse sind von Gott bzw. Jesus gesetzt und repräsentieren somit das Königreich Gottes, das ihre Umwelt darstellt. Dabei muss man jedoch klar sehen, dass diese nicht eo ipso ihre Umwelt sind, sondern auf diese nur durch jene Selektionen verweisen, die in ihnen zur Darstellung kommen. Somit geben die Gleichnisse Jesu - doch nur dem glaubenden Beobachter - handlungsspezifische Möglichkeiten zu erkennen, die bestimmende Charakteristika ihrer Umwelt, d.h. des Königreiches Gottes, sind. Deshalb darf kein Gleichnis in Isolation untersucht werden, sondern alle Systeme Jesu müssen zusammengenommen werden, d.h. aufeinander hin interpretiert und enttautologisiert werden.[32]

Wahre oder komische Gleichnisse (drei Beispiele)

Der Gute Hirte (Mt 18,12-14): die Arbeiter im Weinberg (Mt 20,1-16): der listige Verwalter (Lk 16,1-20). Diese Gleichnisse zeichnen sich durch Paradoxe aus, d.h. es sind ihnen »falsche« Handlungen gemeinsam. Ein guter Hirte sollte unter keinen Umständen seine Herde alleine lassen, ein guter Arbeitgeber bezahlt einen rechtmäßigen Lohn, je nach Arbeitszeit, und ein guter Verwalter hintergeht nicht seinen Dienstherrn.

Diese Handlungen setzen voraus, dass der Handlungsträger seine Weltanschauung grundsätzlich gegenüber der herkömmlich herrschenden Weltanschauung (Umwelt 2) verändert hat. Im Sinne einer metanoia, zu der Jesus aufruft (Mk 1,15), ist dieser dahingehend verwandelt, dass er aufgrund dieser Wesensveränderung neue Verhaltensmaßstäbe setzt bzw. eine neue Regelfolge aufstellt.

Diese Regeln stellen eine Innovation dar, die, obgleich feststehenden Normen widersprechend, die Situation einzelner Charaktere bzw. Personen in einer Notlage bessert bzw. zum Besseren hin wendet. Ohne diese Handlungen würde das verirrte Schaf sicher den Tod finden, die »Kurzarbeiter« mit zu wenig Geld nach Hause gehen und der vor der Arbeitslosigkeit stehende Verwalter alle Sicherheit seines Lebens verlieren. Doch entgegen diesen Aussichten wird das verlorene Schaf wiedergefunden (Mt 18,13; Lk 15,4), die »Kurzarbeiter« bekommen einen mehr als ausreichenden Lohn (Mt 20,9), und der listige Verwalter wird wider Erwarten in Ehren eingesetzt (Lk 16,8).

Falsche oder tragische Gleichnisse

Falsche oder tragische Gleichnisse (vgl. Mt 22,1-14; 25,1-13; 25,14-23) konzentrieren sich maßgeblich auf das Problem des Scheiterns. Der unangemessen gekleidete Gast wird sprichwörtlich »hinausgeworfen« (Mt 22,13), die törichten Jungfrauen werden ausgesperrt (Mt 25,10) und sogar verhöhnt (Mt 25,12), und dem ängstlichen Diener, der sein Talent nicht vermehrte, wird noch das letzte Hemd genommen (Mt 25,28), bevor auch er grob aus dem Haushalt des Gutsbesitzers vertrieben wird (Mt 25,30).

Das Scheitern der Personen in diesen Gleichnissen ist dem Leser - und, so scheint es, auch dem Evangelisten - augenblicklich klar. Die scheiternden Individuen haben es nicht verstanden, den scheinbaren Anforderungen des Systems gerecht zu werden. Der Mann von der Straße sowie die müßigen Jungfrauen hätten auf diese unerwarteten Einladungen immer vorbereitet sein müssen - so wie wir immer das plötzliche Hereinbrechen des Gottesreiches erwarten sollen. Und der ängstliche Diener hätte wohl seine Angst überwinden und gleich seinem erfolgreichen Kameraden das Talent durch Handel (vgl. 25,16) vermehren sollen. So dürfen auch wir nicht unsere gottgegebenen Talente vergraben, sondern müssen danach trachten, sie zu vervielfältigen.

Enttautologisierung der Gleichnisse: Das Gleichnis von den Talenten

Eine system-theoretische Lektüre des Gleichnisses von den Talenten verlangt vom Leser mehr als nur das Versagen des dritten Dieners durch eine Analyse seiner Fehler zu erklären. Hätte dieser seine Ängste wirklich überwinden und sein einziges Talent aufs Spiel setzen sollen?

Eine andere Auslegungsmöglichkeit eröffnet sich dem Leser, wenn dieser sich von einem neutralen Beobachter zu einem Designer des in diesem Gleichnis beschriebenen Systems verwandelt. Dabei bringt sich dieser gleichsam in das Gleichnis ein und es werden ihm Möglichkeiten einer systeminternen Korrektur eröffnet, die es ihm erlaubt, das Schicksal des gefährdeten Dieners zu verhindern, ohne aber das System selbst negativ zu beeinflussen.

Wenn dabei der Designer dieses Systems die Rolle jenes Dieners übernimmt, dem fünf Talente anvertraut wurden, dann erkennt er einerseits, dass der Diener mit dem nur einen Talent in Furcht ist, auch noch dieses zu verlieren, und sieht andererseits, dass man auch mit zwei Talenten noch genug erreichen kann (vgl. Mt 15,17). Auf der Grundlage seines Glaubens - d.h. seines Wissens um die Handlungsweisen der gelingenden Gleichnisse - wird eine Systemkorrektur im Sinne des Reiches Gottes offensichtlich.

So teilt der interpretierende Designer seine fünf Talente und gibt zumindest eines davon dem Diener mit dem nur einen Talent. Nun aber hat dieser zwei Talente - d.h. genug, um seine Ängstlichkeit abzulegen, und wie der zweite Diener, der ja auch nur zwei Talente hat (Mt 25,15), zwei weitere damit zu erarbeiten. Alle Charaktere in diesem System haben nun aufgrund der »guten Tat« des am reichsten beschenkten Dieners die Möglichkeit, ja Gewissheit, reichen Lohn von ihrem Herrn zu erhalten. Auf diese Weise hat der systemverändernde Diener das getan, was ihm sein Glaube auftrug und wahrhaftig den Ruf Jesu »Dein Reich komme!« erfüllt.

Die Gleichnisse vom Hochzeitsmahl und den törichten Jungfrauen

Zur Lösung bzw. Korrektur dieser Gleichnisse kann der Leser einerseits die schöpferische Rolle des einladenden Dieners (Mt 22,3), andererseits die der weisen Jungfrauen (Mt 25,4) einnehmen. Zu wissen, dass der König seine Gäste nach deren Kleidung beurteilt, führt dazu, dass man als dessen Diener diese bereitstellt. Ebenso nimmt man mehr Öl, als man für sich selbst braucht, mit auf die Reise, auch wenn man mit großer Sicherheit annehmen muss, dass nicht alle Menschen die gleiche Voraussicht haben.[33] In beiden Fällen eröffnet dieses neue Design der Gleichnisse jene Möglichkeit des Gelingens, die den bestehenden Systemen abging.[34]

IV. Zusammenfassung

Eine system-theoretische Betrachtung der Gleichnisse Jesu hat nicht das Ziel, bestehende Interpretationen zu falsifizieren, sondern hofft, neue Möglichkeiten eines glaubenden Verstehens derselben zu eröffnen. Dabei wurde gezeigt, dass man aus sprachtheoretischen Gründen die Gleichnisse Jesus nicht objektiv verstehen und auslegen kann. Vielmehr sind die Gleichnisse handlungsorientierte Systeme des Glaubens an Jesus und sein Evangelium, in die man partizipierend eingreifen muss, um das in ihnen sich zu erkennen gebende Königreich Gottes in dieser Welt zu verwirklichen. Nur so kann aus einer misslingenden Welt eine gelingende Welt werden, in der allen darin Verweilenden die Möglichkeit des Heiles Gottes geoffenbart wird.


Zitierte Literatur

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Locker, Markus / Sedmak, Clemens (2002): The Language Game of Revelation: Interpreting the Book of Revelation through Wittgenstein's Philosophy of Language, in: Philosophy & Theology 13,2 (2002), 241-262.

Luz, Ulrich (1997): Das Evangelium nach Matthäus Mt 18-25 (EKK 1/3), Stuttgart: Benziger 1997.

Meurer, Herman-Joseph (1997): Die Gleichnisse Jesu als Metaphern (Bonner Biblische Beiträge 111), Bonn: Philo 1997.

Ricoeur, Paul / Jüngel, Eberhard (1974): Metapher. Zur Hermeneutik religiöser Sprache (Sonderheft Evangelische Theologie), München: Kaiser 1974.

Rohrbaugh, Richard L. (1993): A Peasant Reading of the Parable of the Talents/Pounds: A Text of Terror?, in: BTB 23,1 (1974), 35ff.

Schottroff, Luise (1984): Human Solidarity and the Goodness of God: The Parable of the Workers in the Vineyard, in: Schottroff, W. / Stegemann, W. (Hrsg.): God of The Lowly. Socio-Historical Interpretations of the Bible, Maryknoll, N.Y.: Orbis 1984.

Via, Dan Otto (1967): The Parables. Philadelphia: Fortress 1967.


Anmerkungen

[1]
U.v.a. gelten als grundlegende Werke zur Gleichnisforschung: Crossan (1973), Jeremias (1963), Via (1976), Jülicher (1910), Linnemann (1966).

[2]
Via (1976), 110-144.

[3]
An dieser Stelle sollen diese Gleichnisse des Matthäusevangeliums als Beispiele genügen. Dazu ausführliche Literatur in Hultgren (2000) 349-351; 178-179; 280-281.

[4]
Hultgren führt fünf von der Exegese vorgeschlagene Interpretationsmöglichkeiten des Hochzeitsgewandes an. Hultgren (2000) 347.

[5]
Bei Wilfrid J. Harrington wird diese Beobachtung zum Zentrum der Interpretation dieses Gleichnisses. Harrington (1964) 34.

[6]
Carter/Heil (1998) 194.

[7]
Luz (1997) 477.

[8]
Luz (1997) 510.

[9]
Gundry (1994) 508.

[10]
Ähnliche Beobachtungen machen Rohrbaugh (1993) 35ff. und Herzog (1994) 84ff.

[11]
Hierzu die grundlegenden Arbeiten von Locker (1975) 489-503, sowie Locker (1981) 67-96.

[12]
So nachzulesen bei Krieger (1996) 132.

[13]
Krieger (1996) 133.

[14]
Grundlegende Arbeiten zur Systemtheorie sind vor allem Bertalanffy (1967) und Bertalanffy (1968) anzurechnen. Die trans-klassische Form der Systemtheorie wird besonders in den Arbeiten Alfred Lockers, die im folgenden angegeben und zitiert werden, berücksichtigt.

[15]
Krieger (1996) 12-20.

[16]
Dazu besonders Jeremias (1963) 101ff., aber auch Carson (1985) 277-282.

[17]
Krieger (1996) 13.

[18]
Ganz ähnlich die Hermeneutik der Metapher bei Ricoeur. Ricoeur/Jüngel (1974) 27-34.

[19]
Eine besonders gute Darstellung des Symbols des Gottesreiches findet sich bei Meurer (1997) 532ff., aber auch bei Karrer (1998) 225f.

[20]
Auf ähnliche Weise ist diese Wirklichkeit die Voraussetzung der Niederkunft bzw. des Herabkommens des Neuen Jerusalems. Vgl. Locker, M. (2002) 7f.

[21]
Das aber bedeutet nicht, dass man wie in den Ansätzen von Propp, Greimas und Güttgemans die Strukturen der Gleichnisse unabhängig von deren eigentlicher (systemtheoretischer) Natur sieht. Vgl. hierzu die gute Darstellung dieser Gedankenmodelle bei Meurer (1997) 71-142.

[22]
Hierzu Schottroff (1984) 129-47. Interessante Ansätze auch bei Lambrecht (1991) 85f.

[23]
Das scheint wiederum den in der Einleitung dieser Arbeit zitierten Interpretationsversuchen zu entsprechen.

[24]
Locker (1995) 89-101.

[25]
Hierzu weiterführend Locker (1996) 408-416.

[26]
Dazu die grundlegende Arbeit Locker (1998b), 217-249.

[27]
Ein Verständnis der Offenbarung des Johannes in dieser Sicht (vgl. hierbei die Formulierung εποιησεν ημας βασιλειαν Offb 1,6 par. 5,10) findet eine ausführliche Darstellung in Locker, M. (2002) 4f. Vgl. auch Locker/Sedmak (2002) 241-262.

[28]
Locker (1998a) 34-42.

[29]
Alfred (1988b).

[30]
Locker (2003).

[31]
Krieger (1996) 133.

[32]
Es wäre sicherlich von gesondertem Interesse nachzufragen, ob nicht gerade dieses Anliegen der Schau des Sehers Johannes in dessen Offenbarung zugrunde liegt. Hierzu ein interessanter Beitrag von Bauckham (1993) 92-117.

[33]
Ein solches Verständnis wird indirekt durch J. Jeremias gestützt, der schon klar erkennt, dass das Gleichnis von den Jungfrauen mit einem Dativ beginnt und daher nicht die Jungfrauen, sondern deren Einladung, dem Bräutigam zu begegnen, bzw. die Hochzeit mit dem Königreich Gottes vergleicht. Jeremias (1963) 101, 174.

[34]
Diese Interpretationslinie wird vom Evangelisten selbst im Anschluss an das Gleichnis von den Talenten dargestellt (vgl. Mt 25,31-46, besonders V. 38.).


http://www.bibfor.de/archiv/04.locker.htm


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