Biblisches Forum 1/99
Zeitschrift für Theologie aus biblischer Perspektive
Bücher aus Münster

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Auf dieser Seite weisen wir auf Münsteraner Dissertationen, Habilitationen und Buchprojekte hin, die im thematischen Umfeld der Seminare für biblische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der WWU Münster neu entstanden sind.
In der Regel zitieren wir den Klappentext oder aus dem Vorwort.
Burkhard Jürgens:
Zweierlei Anfang. Kommunikative Konstruktionen heidenchristlicher Identität in Gal 2 und Apg 15 (Bonner Biblische Beiträge 120), Bodenheim: Philo 1999
[ISBN 3-8257-0120-4]

Die beiden Berichte über das sogenannte Apostelkonzil behandeln ein religionssoziologisch und theologisch brisantes Thema: die Verbindlichkeit religiöser Normen des Judentums für nichtjüdische Christusgläubige oder, anders gewendet, den Status der heidenchristlichen Kirche gegenüber Israel. Die sachlichen Differenzen in den Darstellungen haben Gal 2 und Apg 15 zu klassischen Problemtexten der neutestamentlichen Exegese werden lassen. Gegenüber bisherigen Lösungsversuchen schlägt der Autor einen neuen Weg ein. Ohne Interesse am "historischen Kern" der Texte arbeitet Jürgens heraus, wie die Geschichtserzählungen gesellschaftliche Wirklichkeit setzen. Unter dem Motto "History is what historians do" (Isaiah Berlin) wird dargelegt, wie Paulus und Lukas das bereits zur Abfassungszeit von Gal und Apg als normativ geltende Jerusalemer Abkommen für die Konstruktion einer heidenchristlichen Identität einspannen. Während Gal den von der Erbschaftsmetaphorik gesteuerten Freiheitsgedanken in den Mittelpunkt stellt, entwickelt Apg 15 am Paradigma der Heiligkeit Israels einen sozial symbolisierbaren Reinheitsbegriff für das "Gottesvolk aus den Heiden" (Apg 15,14). Die Untersuchung schließt mit einem kritischen Vergleich der Identitätskonzepte und formuliert im Ausblick eine These, weshalb das lukanische Modell bis zur konstantinischen Wende bestimmend gewesen ist. Methodisch integriert diese textsemiotische Studie einen neueren, systemtheoretisch orientierten literaturwissenschaftlichen Ansatz und kultursoziologische Elemente. Sie versteht sich daher nicht nur als pointierter Beitrag zum christlich-jüdischen Diskurs, sondern auch als Experiment interdisziplinärer Bibelauslegung.
Georg Steins:
Die "Bindung Isaaks" im Kanon (Gen 22). Grundlagen und Programm einer kanonisch-intertextuellen Lektüre (Herders Biblische Studien 20); Herder: Freiburg 1999
[ISBN 3-451-26916-3]

Eine neue Art der Bibelauslegung, kanonisch-intertextuelle Lektüre genannt, wird im vorliegenden Band theoretisch begründet, methodisch entfaltet und an einem herausragenden Text vorgeführt. Die Stichworte "Kanon" und "kanonische Bibelauslegung" spielen gegenwärtig in der Bibelwissenschaft eine große Rolle. Wie man einen Bibeltext "kanonisch" auslegt, erscheint allerdings bislang völlig unklar. Georg Steins geht hier einen entscheidenden Schritt weiter: in der Auseinandersetzung mit aktuellen bibelhermeneutischen und literaturtheoretischen Ansätzen (u.a. mit dem "canonical approach" von B. S. Childs) entwickelt er eine neue exegetische Methode. Ihre Leistungsfähigkeit zeigt sich in der Anwendung auf einen Spitzentext des Alten Testaments. Sie eröffnet faszinierende neue Einsichten in die provozierende und theologisch abgründige Erzählung von der Opferung Isaaks (im Judentum als 'Bindung Isaaks' bezeichnet): Die Geschichte vom Gehorsam Abrahams und dem Brandopfer auf Morija nimmt vorweg, was Israel als Ganzes am Sinai erfährt, nämlich die Nähe Gottes im Toragehorsam und im (Opfer-)Gottesdienst. Genesis 22 führt nicht in die Frühzeit Israels zurück, sondern gehört zu den jüngsten Texten im Pentateuch.
Dagmar Stoltmann: Jerusalem-Mutter-Stadt. Zur Theologiegeschichte der Heiligen Stadt; (MThA 57), Oros: Altenberge 1999
[ISBN 3-89375-173-4]

Jerusalem ist nicht nur eine politische und kulturelle, sondern vor allem auch eine theologische Metropole: Jerusalem ist Mutter und Stadt. Jerusalem, die "Heilige Stadt", Zion, der Ort, wo JHWH nach biblischem Zeugnis Wohnung genommen hat, sind noch heute Anziehungspunkt für Menschen aller Nationen, für Gläubige der abrahamitischen Religionen. Es stellt sich daher die Frage, wie Jerusalem in den Bannkreis göttlicher Erwählung gelangte, wie es zur "Heiligen Stadt" wurde. Welche theologische Bedeutung kommt Jerusalem mit seinen vielfältigen Konnotationsmöglichkeiten im Laufe der jüdisch-christlichen Theologiegeschichte zu? Mit diesen Fragen setzt sich die vorliegende Untersuchung auf der Grundlage der biblischen Schriften sowie ausgewählter Werke frühchristlicher Autoren auseinander.



Diese Seite wurde erstellt von Jesaja Michael Wiegard.
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