Biblisches Forum 1/99
Zeitschrift für Theologie aus biblischer Perspektive
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Tim Dowley [Hrsg.]:
Discovering the Bible

Archaeologists look at Scripture

Marshall: Basingstoke [u.a] 1986
ISBN 0-551-01372-9

Rezension von Christian Frevel [Wiederabdruck einer Erstveröffentlichung im Rahmen des Artikels "Dies ist der Ort, von dem geschrieben steht...". Zum Verhältnis von Bibelwissenschaft und Palästinaarchäologie, BN 47 (1989) 35-89]

Der von Tim Dowley herausgegebene, farbig illustrierte Sammelband "Discovering the Bible. Archaeologists look at Scripture" will keine Gesamtdarstellung der biblischen Archäologie sein. Es greift verschiedene Auswahlthemen aus dem großen Komplex heraus und versucht in erzählendem Stil einige Paradigmen vorzuführen, so dass einerseits die Bandbreite, andererseits aber auch die hohe Spezialisierung der Palästinaarchäologie zum Ausdruck kommt. So beschreibt etwa im alttestamentlichen Teil (27-66) V.H. Matthews anhand der Ausgrabungen in Beerscheba die Bedeutung von Brunnen und Zisternen in der israelitischen Bauerngesellschaft, die militärisch-kulturelle Bedeutung der Einrichtung des Stadttores anhand von Hazor, Megiddo, Dan und Gezer oder anhand von gefundenen Roll- und Stempelsiegeln einige Aspekte der Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Hier wie auch in den anderen Kapiteln des alttestamentlichen Teils wird weniger mit genauen Daten, chronologischen Einordnungen und verschiedenen Straten der Surveys als mit Hinweisen auf den Bibeltext gearbeitet, was den Lesern zwar Sachverhalte oberflächlich verdeutlicht, jedoch nicht das wissenschaftliche Instrumentarium und die Vorgehensweise der Archäologie nahe bringt. Häufig hinterlässt die Darstellung allzu sehr den Eindruck der Dominanz des biblischen Spatenglücks, das dieses und jenes schöne Stück in das Licht der Bibel gerückt hat.

Der neutestamentliche Teil (67-140) von J. Wilson beschäftigt sich mit dem 'Aussehen Jesu' ("What did Jesus look like?") anhand zeitgenössischer Darstellungen politischer Persönlichkeiten in Büsten und Münzen; der Stadt, Kultur- und Wirtschaftsentwicklung in Galiläa und am See Genesaret in jesuanischer Zeit, u.a. Magdala, Betsaida, Kapharnaum, der Dekapolis. Weiterhin beschreibt er Bestattungspraktiken und Nekropolen, den Tempelbezirk in Jerusalem und stellt letztlich die Frage "Where was Jesus buried?", wobei er verschiedene Theorien zur Kreuzigungspraxis und dem Begräbnisort vorstellt. Der neutestamentliche Teil - ebenso auf Auswahl bedacht wie der alttestamentliche - ist jedoch weit informativer und mehr auf die Themen biblischer Archäologie ausgerichtet, wenn auch hier ebenfalls neben den Hinweisen auf Bibelstellen kaum chronologische Querverweise Platz finden. Um das Thema 'Biblische Archäologie' in eher methodischer Orientierung kreist das einleitende Kapitel ("The Bible and Archaeology" 7-26) von John McRay. Hier werden Keramiktypologie, die Wheeler-Kenyon-Methode und die Geschichte der biblischen Archäologie angerissen. Deutlich soll einerseits wissenschaftliche Archäologie von der frühen "Schatzsuche" geschieden und den Lesern vermittelt werden, dass Archäologie "rarely injects certainty into biblical uncertainties" (16) und dass "archaeology's major contribution is not apologetic" (23). Andererseits wird der Wissenschaftscharakter der Disziplin durch die Dimension des Kunstfertigen ("scientific art" 14) relativiert, der Vorwurf des durch die Bibel bestimmten erkenntnisleitenden Interesses bei 'Bibelarchäologen' scharf zurückgewiesen: "However, there is no reason to assume that an archaeologist is less objective or scientific if he has biblical rather than classical interests" (13). Das Problem der Definition von Bibelarchäologie und damit verbunden, das einer autarken Palästinaarchäologie scheint nicht zu existieren: "Archaeology becames 'biblical' in the same way it becomes 'classical' - when the process of excavation uncovers something relating to biblical or classical history" (13). Den zeit- und sachbezogenen Rahmen der Bibel-Archäologie bildet die biblische Geschichte, ihr Wert wird ausschließlich in der Erhellung biblischer Geschichten gesehen. Zwar würden Bibelwissenschaft und Archäologie teils zu widersprechenden Ergebnissen kommen, doch dies sei einzig auf die Relativität beider Wissenschaften zurückzuführen (vgl. 16f). Das in diesem Buch vermittelte Bild von Bibeltext und Palästinaarchäologie ist zwar nicht fundamentalistisch-apologetisch, doch erscheint Archäologie als wissenschaftsorientierte ancilla ohne Eigenwert; kaum ist das Buch "an ideal introduction to biblical archaeology" wie der Umschlagtext verheißt.



Diese Seite wurde erstellt von Jesaja Michael Wiegard.
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