Biblisches Forum 1/99
Zeitschrift für Theologie aus biblischer Perspektive
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Miriam Magall (1986):
Archäologie und Bibel

Wissenschaftliche Wege zur Welt des Alten Testaments

DuMont: Köln 1986
ISBN 3-7701-1644-5

Rezension von Christian Frevel [Wiederabdruck einer Erstveröffentlichung im Rahmen des Artikels "Dies ist der Ort, von dem geschrieben steht...". Zum Verhältnis von Bibelwissenschaft und Palästinaarchäologie, BN 47 (1989) 35-89]

In der Reihe DuMont Dokumente erschien 1986 das zweite in diesem Kontext zu behandelnde Buch von Miriam Magall. Nachdem sie sich schon mit der Geschichte der jüdischen Kunst beschäftigt hat, versucht sie jetzt in "Archäologie und Bibel" den Lesern "Wissenschaftliche Wege zur Welt des Alten Testaments" (Untertitel) aufzuzeigen. Dies gelingt ihr zunächst anhand eines recht ausführlichen Überblicks über die "Geschichte der Archäologie im Heiligen Land" (8-29). Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zeichnet Magall den Weg der Archäologie von aufmerksamen Pionier-Pilgern über die ersten gezielt stratigraphisch ausgerichteten Tell-Abtragungen bis zur modernen wissenschaftlich-fundierten Oberflächenforschung durch israelische Archäologenschulen, die sie auch als ihre Hauptgewährsleute immer wieder heranzieht. Sie versteht es dabei, die verfeinerte Entwicklung der Methoden und damit verbunden der Chronologie, in diese Geschichte einzubinden. Die Entwicklung unterschiedlicher Zielvorstellungen biblischer Archäologie kommt dabei nicht zur Darstellung, ebenso wenig wird auf den Sinn und die Berechtigung dieser Disziplin heute rekurriert. Der Archäologie scheint lediglich die Aufgabe zugewiesen zu werden, die Verständlichkeit alttestamentlicher Berichte und Geschichte zu erhöhen und in Einzelfällen zu bestätigen. Die Geschichte bildet das Ordnungskriterium ihrer Darstellung. In 10 Kapiteln werden archäologische Spuren vom 2. Jt. in außerbiblischen Zeugnissen bis zur Zeit Jesu verfolgt und - sofern geeignet - mit biblischen Zeugnissen verbunden. Häufig warnt sie davor, den Wert dieser Spuren zu überschätzen, wie z.B. bezüglich der Patriarchengeschichten, die als 'literarisches Werk' um 1000 v.Chr. entstanden seien (vgl. 44): "Die Archäologie ist kaum in der Lage, das Leben eines Einzelmenschen zu dokumentieren ..." (44). Einzig sei es möglich "die Patriarchengeschichte in einen konkreten räumlichen und zeitlichen Kontext zu stellen" (44). Obwohl als literarisches Werk gekennzeichnet, soll doch die anachronistische Erwähnung Abrahams in Ur in Chaldäa "nicht voreilig zu dem Schluss führen, die gesamte Patriarchengeschichte sei reine Erfindung" (44f). Diese historische Zuversicht schlägt sich beispielsweise in einer Kartenskizze nieder, die Abrahams Weg von Ur nach Ägypten darzustellen versucht (45) oder in dem bezeichnenden Schlusssatz nach einer guten Darstellung der Ausgrabungen des mittelbronzezeitlichen Stadttores von Dan: "Möglicherweise stand Abraham auf den Treppen zu diesem Tor, als er die vier Könige verfolgte"(46). Doch so biblizistisch, wie es auf Grund dieser Sätze scheinen mag, ist Magall nur annähernd. Deutlich verweist sie auf die konstruierte Geschlossenheit des biblischen Geschichtsbildes, insbesondere der Patriarchen- und Wüstenzeit. Sie gesteht Traditionsschichten und Überlieferungsüberlagerungen ein, argumentiert mit Rückprojektionen und in Einzelfällen mit dem ätiologischen Charakter der Erzählungen, bleibt jedoch sehr häufig bei der postulierten Historizität biblischer Berichte stehen, wobei zur Stützung dieser Postulate auch archäologische Sachverhalte angeführt werden. Dies wird beispielhaft deutlich bei der Beurteilung des - im Conquest-Modell nachgezeichneten - Landnahmeprozesses: "Die archäologischen Indizien bestätigen größtenteils den Bibelbericht und sprechen für eine Eroberung des Landes gegen Ende des 13. Jh.s. v.Z." (58) . Die zuvor betonte Interpretabilität archäologischer Ergebnisse weicht hier der an Vorbildern reichen Überschätzung der Zerstörungsschichten. Dennoch bietet sie gegenüber dem oben vorgestellten Sammelband eine sehr große Fülle archäologischen Materials mit aufschlussreichen(!) Skizzen und Abbildungen. In diesem Bereich hat sich Magall mit ihrer Darstellung verdient gemacht . Sie erläutert geschichtliche Entwicklungen anhand von Stadt-, Haus- und Palastarchitektur oder durch Kleinfunde die Wirtschafts- und Sozialorganisation. Und - ein wesentlicher Vorteil dieses Buches gegenüber dem von T. Dowley - M. arbeitet mit chronologischen Einordnungen, sie datiert die vorgestellten Funde, versucht, die jeweilige Stratigraphie in ihre Darstellung einzubinden und ordnet diese jeweils in einen geschichtlichen Kontext ein. Von dieser Seite aus gesehen ist ihre Darstellung eine vorzügliche allgemein verständliche Einführung in die Materialien der biblischen Archäologie. Zugegeben, es erscheint schwierig, eine den Ergebnissen der wissenschaftlichen Bibelkritik und der Archäologie gleichermaßen verpflichtete Darstellung in allgemein verständlicher Form zu verfassen, jedoch sollte gerade im Blick auf den Leserkreis 'ohne Vorbildung' auf Zurückhaltung insbesondere bei 'indirekten' Bezügen archäologischer Ergebnisse zur Bibel geachtet werden, da die Gefahr der 'Realidentifikation' den Nutzen der Spekulation überwiegt.



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