Biblisches Forum 1/99
Zeitschrift für Theologie aus biblischer Perspektive
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Lars E. Axelsson (1987):
The Lord rose up from Seir

Studies in the history and traditions of the Negev and Southern Juda
(Coniectanea biblica : Old Testament series ; 25)
Stockholm: Almqvist & Wiksell Internat. 1987
[ISBN 91-22-00876-4]

Rezension von Christian Frevel [Wiederabdruck einer Erstveröffentlichung im Rahmen des Artikels "Dies ist der Ort, von dem geschrieben steht...". Zum Verhältnis von Bibelwissenschaft und Palästinaarchäologie, BN 47 (1989) 35-89]

L.E. Axelsson versucht in seiner Studie "The Lord Rose up from Seir", die Bedeutung einer geographischen Region für die literarischen und theologischen Traditionen Israels auf breitester Basis zu untersuchen.

Zum Ausgangspunkt nimmt er das Gebiet zwischen dem südlichen Teil der judäischen Berge/Hebron und dem Golf von Aqaba, dem Toten Meer/der Araba und Tell Sera/den Oasen von Kadesch, sprich das Negevgebiet einschließlich der daran angrenzenden Gebiete in der zeitlichen Erstreckung von der Landnahme bis zum Exil, wobei sich beide Grenzen nicht immer einhalten lassen. Ziel der Studie ist weniger eine Geschichte dieses Landesteils, als ein Survey durch die verschiedenen Einflüsse auf Religion und Geschichte Israels, die den Süden zur sicher bedeutendsten Region gemacht haben. "An attempt will be made to study these passages in the historical perspective which the archaeological studies have provided" (1). Dementsprechend versucht Axelsson. im ersten Teil seiner Studie (7-47) ein siedlungsgeschichtliches Bild der Region nachzuzeichnen (überwiegend friedliche Siedlungen von Philistern, kenitischen Clans und Protoisraeliten ), dessen historische Linien (Befestigung durch Salomo, Zerstörung durch den Feldzug Schischaks, Bewehrung in joschijanischer Zeit usw.) bis in vorexilische Zeit verfolgt werden. Das so dargestellte Bild der Region wird durch ein historisch-geographisches Kapitel über die Straßenverbindungen (43-47) vervollständigt.

Der zweite Teil der Studie, der die Bedeutung des Südens über die literarische Tradition erfassen will, greift weit aus. In sieben Kapiteln werden verschiedene Textgruppen, weitgehend unter traditions- und überlieferungsgeschichtlichen Aspekten untersucht, um die Zentralbedeutung des Südens für Israel einzuholen.

Zunächst behandelt er die Texte, die JHWH aus dem Süden kommen und wohnen lassen. Ausgehend von Dtn 33,2; Ri 5,4f; Hab 3,3, Ps 68,8f.18 diskutiert er das im Nordreich tradierte Genre der Herkunft JHWHs aus Ser, Paran, Teman und ergänzend dazu aus dem Sinaigebiet. Sein religionshistorisches Ergebnis ist einleuchtend: "YHWH was worshiped thorughout (sic) a sizeable area on both sides of the Wadi el-'Arabah" (65). Bereits Teilgruppen der aus den ägyptischen Texten bekannten Schasu-Beduinen im Midiangebiet (vgl. 61.178) "will most likely have associated YHWH with a mountain of the God" (65) . Den Traditionsüberhang der Vorstellung vom Wohnen JHWHs in den südlichen Steppen innerhalb der Nordreichüberlieferung versucht A. durch weitere Argumente zu stützen. Er führt Elijas Pilgerweg in den Süden (1 Kön 19), Amos 5,5 und die externe epigraphische Evidenz aus Kuntillet Arud als Gründe an, die jedoch kaum überzeugen können . Die faktische Ablösung der 'Wohnstätte' JHWHs im Negev/Sinai durch die Zionstradition im Südreich wird gegenüber der zentralen Bedeutung der Sinaiüberlieferung insgesamt überbewertet.

In den weiteren Kapiteln setzt sich Axelsson mit den edomitischen Genealogien (Gen 36), dem südlichen Grenzverlauf (anhand Jos 15,2 und der Negevfestungskette), der Abraham- und Isaaktradition , den Landnahmetraditionen aus dem Süden, sowie der Verbindung Davids mit dem Süden und den Überlieferungen der Wüstentraditionen Israels auseinander, um die Traditionsbildung um den südlichen Landesteil nachzuvollziehen. Bei der Beurteilung von Kadesch im Überlieferungsgefüge des Pentateuch findet sich eine beispielhaft positive Verbindung von textlichen und archäologischen Zeugnissen. Nachdem A. den relativ geringen historischen Anteil der sog. 'Kadeschüberlieferung' herausgearbeitet hat, versucht er die Gründe für die Konzentration von Überlieferungen auf diesen Ort in der konstanten Besiedlung und grenzpolitischen Bedeutung des Ortes in der Eisenzeit zu finden . Das Beispiel zeigt, dass die archäologische Forschung in vielen Fällen, unabhängig vom Wert der literarischen Bezeugung eines Sachverhaltes, Material für überlieferungs- und traditionsgeschichtliche Hypothesen liefern kann.

Die Studie Axelssons steht vor einem massiven Block von Überlieferungen, der selbst so vielschichtig ist, dass er kaum noch von einer Einzelperson erschöpfend bearbeitet werden kann. Der zeitliche Rahmen, den Axelsson auf Grund seiner Zielbestimmung abstecken muss, ist zu weit, um die politische Geschichte als Faktor regionaler Überlieferungsbildung in Einzelfällen herauszudifferenzieren. Sein Verdienst ist der Versuch, Oberflächlichkeit in Einzelfällen in Kauf zu nehmen und über die komplexe Traditionsbildung einen Überblick über die historische und literarische Bedeutung besonders des vor- und frühisraelitischen südlichen Juda/Negev zu geben und dabei die archäologische Forschung dieses Gebiets einzubeziehen. Die Heranziehung archäologischer Ergebnisse geschieht nicht affirmativ, das erkenntnisleitende Interesse bei der Darstellung ist nicht die Aufhellung des Bibeltextes. A. ist sich bei der Verwendung archäologischer Forschung im Bereich literarischer Interpretation stets der Interpretabilität auch archäologischer Ergebnisse bewusst und bietet darin einen reflektierten methodischen Ansatz.



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